Der Weg ist das Ziel (Gastbeitrag #29)

Endlich ist es soweit đŸ„° ihr kennt sie schon und habt sicherlich schon einiges von ihr gehört: heute teilt Anne Wermelskirchen, 36 Jahre jung, ihre Gedanken mit uns zur Frage „Wie wollen wir in Zukunft leben, lernen und arbeiten?“ Ich darf sie nicht nur an meiner privaten Seite wissen, sondern seit geraumer Zeit ebenfalls mit ihr arbeiten und habe natĂŒrlich schon einige Details ihres 11-jĂ€hrigen Weg ihres (beruflichen) Lebens hören dĂŒrfen. Deshalb freue ich mich umso mehr, dass sie diese im heutigen Gastbeitrag mit uns teilt. Aber lest selbst…

https://fotoliebe-hh.de/

Foto: Sandra Brauer

Aufgewachsen bin ich im kleinen Ort Hardt in Mönchengladbach und habe schon immer den Wunsch gehabt, die Großstadtluft zu schnuppern. Seit 13 Jahren lebe ich nun in Hamburg und habe vor 11 Jahren das „Quiddje Kreativbuero“ gegrĂŒndet.

Mein Weg zur Beantwortung von HeikoÂŽs Frage geht fĂŒr mich zurĂŒck in die Vergangenheit. Daraus resultiert meine Zukunft. Ich bin gespannt, was du dazu sagst. 

Let’s go back, Back to the past, to create the future 😉

Ich war damals 25 Jahre alt, als ich mich fĂŒr die SelbstĂ€ndigkeit und Freiberuflichkeit entschied. Mein Antrieb war geprĂ€gt von NaivitĂ€t, Leidenschaft und der Neugierde, wie es ist, meine eigene Chefin zu sein. 

Trotz aller Unsicherheiten wollte ich meinen eigenen Weg gehen und habe mich aus der Arbeitslosigkeit heraus selbststĂ€ndig gemacht. So entstand die Marke „Quiddje Media Kreativbuero“, die heute als „Quiddje Kreativbuero“ bekannt ist.

Mein letzter Job in einer Hamburger Agentur hat mir gezeigt, wie schnell man austauschbar sein kann und wie der vermeintliche „Sicherheitsfaktor“ plötzlich verschwindend gering ist. Von einer fristgerechten zu einer fristlosen KĂŒndigung, die aus fingierten GrĂŒnden meines ehemaligen Arbeitgebers beruhte, stand ich plötzlich ohne finanzielle Mittel in der Schlange der Agentur fĂŒr Arbeit.

Zu diesem Zeitpunkt lebte ich alleine in einer 3-Zimmer-Wohnung im 6. Stock in Hamburg. Ich fuhr einen Smart, meine kleine Knutschkugel, und mir wurde immer bewusster, dass ich diesen Lebensstil nicht aufrechterhalten konnte. Plötzlich kamen diverse Herausforderungen auf mich zu. 

Meine damaligen Vermieter beschlossen, die Wohnung zu verkaufen. Du denkst bestimmt: oh nein, was ein Mist. Ich jedoch hatte aus dieser Krisensituation die Chance ergriffen, mit einer Art Abfindung mich aus dem Mietvertrag fristlos kĂŒndigen zu lassen. Mit diese Geld sollten der Umzug und die Kaution finanziert werden. Gesagt, getan. Aber wie findet man eine Wohnung in einer Stadt wie Hamburg? Ich fĂŒhlte mich wie eine Schwerkriminelle. Ohne Gehaltsnachweis mit einer BWA in der  Hand wollte mich kein EigentĂŒmer haben, egal wieviel ich in meinem letzten Job verdient habe. Die Frist des Auszugstermins rĂŒckte nĂ€her und ich hatte großes GlĂŒck. Ich bekam eine Zusage fĂŒr eine 1,5-Zimmer-Wohnung ohne Starkstromanschluss in der KĂŒche, sondern nur mit 2 Herdplatten. Ich musste meinen Lebensstandard von 3 Zimmer auf die HĂ€lfte reduzieren, um wieder auf die Beine zu kommen. Der kleine Flitzer wurde natĂŒrlich auch verkauft.

Zu allem Überfluss wurde mir auch der ExistenzgrĂŒnderzuschuss von der Agentur fĂŒr Arbeit nicht erstattet. Eine GesetzesĂ€nderung im Jahr 2012 fĂŒhrte dazu, dass alle, die sich im MĂ€rz/April selbststĂ€ndig gemacht hatten, abgelehnt wurden.


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Tourismus der Zukunft

Warum ich? Es fĂŒhlte sich an, als ob alles gegen mich war. Denkst du da gerade auch so? Woher habe ich die Kraft genommen, weiterzumachen? Puh… Das war eine Mischung aus Erziehung, Risikobereitschaft und Ungerechtigkeit, die ich so nicht auf mir sitzen lassen konnte. In meiner Erziehung wurde mir immer vorgelebt,  fleißig zu sein, dann hat man weniger Probleme. Außerdem hatte ich den starken Wunsch, mich selbststĂ€ndig zu machen, um Dienstleistungen und Produkte zu vermarkten. Schließlich wollte ich auch anderen Menschen und Firmen damit helfen.

Mit dieser Kombination aus Erziehung, Risikobereitschaft und Ungerechtigkeit, war ich voller Überzeugung, dass  ich wichtig bin. 

Challenge accepted! Mutig und rebellisch wie meine Kindheitshelden Pippi Langstrumpf geht’s also voran. Das habe ich noch nie gemacht, also bin ich mir sicher, das schaffe ich.

Ein anderes Bild stelle ich  mir auch gerne vor, wie ein kleiner Terrier, der sich festbeißt und nicht mehr loslĂ€sst. Ein Mix aus Pippi Langstrumpf und einem tollwĂŒtigen Terrier.

Die Zeit des Verzichts hatte begonnen. Über einen langen Zeitraum habe ich von Brot und Wasser gelebt, Dosen-Suppen gegessen und alles, was gĂŒnstig verfĂŒgbar war. Zu dem Verzicht kamen auch meine ExistenzĂ€ngste.

Eines Tages stand mein Vater vor meiner TĂŒr und sagte: „Ich habe gehört, es geht dir nicht gut.“ Er hatte Recht… Der Buschfunk fĂŒhrte ihn zu mir. Er war der Initiator und zog mich regelrecht an den Ohren, zum Budnikowsky, einem lokalen Drogeriemarkt in Hamburg, und sagte: „Geh da rein und komme mit einem Arbeitsvertrag fĂŒr einen Minijob auf 450 Euro wieder heraus.“ Als Einzelkind hört man ungern auf seinen Vater, aber in dieser Situation erkannte ich, dass er recht hatte, und folgte seinem Rat.

Ohne seinen Arschtritt wÀre ich nicht weit gekommen! Danke, Papa!


Unsere 7-Tage-Impulswoche


Aus der Idee, fĂŒr 1-2 Monate einen Minijob anzunehmen, wurden schließlich 6 Monate. Aber ich verfolgte weiterhin meine SelbststĂ€ndigkeit und fand ĂŒber meinen Freundeskreis Vorbilder und Motivation, die mich immer unterstĂŒtzt haben. Es gab Empfehlungen und Kontakte, die ich nutzen konnte. Über die Social-Media-Plattform XING trat ich verschiedenen Gruppen bei, die fĂŒr Freelancer, freiberufliche Kreative und GrĂŒnder zur VerfĂŒgung standen. Nach 6 Monaten wagte ich den Sprung in die VollselbstĂ€ndigkeit, die Anfragen wurden mehr und mein Fundament hatte ich mir angespart und neu aufgebaut.

Ich sammelte Erfahrungen durch verschiedene Jobs, sowohl durch Empfehlungen als auch durch Akquise. Ich verteilte meine Visitenkarten auf Messen und nutzte meine Chance, mich persönlich bei Ausstellern vorzustellen. Unter dem Deckmantel eines Messebesuchers ging ich von Stand zu Stand, um mich persönlich zu prÀsentieren.

Nicht zu vergessen: Parallel dazu kĂ€mpfte ich 4 Jahre lang bis zum Sozialgericht fĂŒr meinen ExistenzgrĂŒnderzuschuss. Nach einem langen Kampf vor Gericht habe ich endlich meinen ExistenzgrĂŒnderzuschuss rĂŒckwirkend erhalten, was ein wichtiger Meilenstein fĂŒr mich war. Der grĂ¶ĂŸte Stein, der mir jemals vom Herzen gefallen ist, hat sich in Luft ausgelöst. WĂ€hrend ich diese Zeilen schreibe, macht sich das GefĂŒhl wieder bemerkbar. Kennst du auch das GefĂŒhl des Gewinnens nach einem langen Kampf? Eine Art Ohnmacht, aber auch StĂ€rke, die sich in einem Zusammensack lĂ€sst.

In den nÀchsten Jahren begegnete ich tollen Menschen, darunter meine beste Freundin Danie, die ich beim Hundesitting kennengelernt habe. Gemeinsam zogen wir in eine WG.

Allerdings stellte sich mit meinem 7. Jahr SelbstĂ€ndigkeit eine persönliche Krise ein, die mich vor neue Herausforderungen stellte. In dieser Zeit suchte ich UnterstĂŒtzung in meinem Netzwerk und traf auf Sandra Brauer. Gemeinsam arbeiteten wir daran, meine Werte herauszufinden und Erfahrungen zu reflektieren, um so meinen Stolz wiederfinden zu können. Durch Ihre Impulse habe ich wieder neue Motivation bekommen, die ich irgendwo auf meinem Weg der letzten 7 Jahre verloren hatte. 

Um neue Kraft zu tanken, unternahm ich eine Reise alleine auf die Seychellen, was sich als transformative Erfahrung erwies. Es war eine Zeit des Alleinseins, des Vertrauens in meine FĂ€higkeiten und des Offenseins fĂŒr das Ungewisse. Ich begegnete wieder, Krisen als Chancen zu sehen und mein Herz zu öffnen. Irgendwo ist mir das auf meinem Weg abhandengekommen.

Mit den gewonnenen Impulsen und der UnterstĂŒtzung meiner Wegbegleiter fand ich wieder Leichtigkeit in meiner Arbeit. Ich erkannte, dass Arbeit kein Kampf ist, sondern eine stĂ€ndige Neuerfindung.

WĂ€hrend der 2 jĂ€hrigen Covid-Pandemie wurde auch ich wieder in den PrĂŒfstand gerufen. Tourismus-Kunden brachen weg, aber die digitale Welt eröffnete sich umso mehr. Social Media wurde gefragter als zuvor. Remote arbeiten war schon immer ein Teil meinen Jobs, daran Ă€nderte sich nicht so viel. Jetzt wurden aber auch die letzten NachzĂŒgler dazu gezwungen, Home Office anzubieten.

Stillstand ist Sand im Getriebe, daher setzte ich Schritt fĂŒr Schritt meinen Weg fort. Es war 2022 und im MĂ€rz hatte ich die verrĂŒckte Idee, mein 10-jĂ€hriges JubilĂ€um zu feiern. Das Outfit war schneller gefunden als gedacht, das sprang mir als erstes ĂŒber meinen Bildschirm.

10 Jahre Quiddje Kreativbuero

Dann kam die Planung. 10 Jahre sollten gefeiert werden. ich war noch nie Gastgeber*in von solch einem Event. Geschweige eine gute Gastgeberin an meinen Geburtstagen. Der Gedanke, in meinem 2. Zuhause in der Bar “Freundlich und kompetent“ zu feiern, wurde mit einer Band, die ich dort kennengelernt habe namens Takadoon, war geboren. 

LangjĂ€hrige Kontakte zahlten sich aus. Das Netzwerk wurde mit einbezogen und ich versuchte alles unter einen Hut zu bekommen. Ein befreundeter Fotograf stellt seine Analog-Fotografie aus und meiner langjĂ€hrigen Freundin Eugenia hatte ich die Möglichkeit gegeben, Ihre Pattern Designs vorzustellen. 

Jetzt zitterte und bangte ich nur noch um das Datum. Der Startschuss am 1.5.2022 zum Feiern  war gegeben, alle EinschrĂ€nkungen der Pandemie wurden an diesem Tag aufgehoben und ich hatte das offizielle Go bekommen, die Feier stattfinden zu lassen.

Meine Rede wurde ĂŒber Nacht geschrieben und Dank Sandra Brauer an meiner Seite konnte ich meine NervositĂ€t auf der BĂŒhne ĂŒberwinden. Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Das ist ihre Frage. Meine Antwort: Auf der BĂŒhne stehen ganz klar. Mein Highlight wurden gekrönt mit der Zusage und die Anwesenheit meiner GĂ€ste, Freunde, Familie, meinen Blinddates, Kunden und Wegbegleitern. Mit 60 Menschen durfte ich diesen Nachmittag feiern und Dank Jonas wurde dies auch in einem Video festgehalten, fĂŒr die Eventbilder war Isy zustĂ€ndig und was soll ich sagen. Gerne erinnere ich mich an diesen Tag. Die Vorbereitungen waren enorm, aber es hat sich 200% gelohnt. Danke auch an meine Girls, Kirsten und Eugenia, bis tief in die Nacht wurde noch alles koordiniert.

Zwei Wochen spĂ€ter, kurz nach meinem 36. Geburtstags haben sich Heikos und mein Weg am Alsenhof gekreuzt. Dort ist er GeschĂ€ftsfĂŒhrer und ich war zu Gast mit meinem Wohnmobil. Das war der Beginn einer Love Story die bis heute anhĂ€lt und ich fĂŒhle mich endlich akzeptiert und angenommen.


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New Work: Eine neue Arbeitswelt in Schleswig-Holstein | Die Nordreportage | NDR Doku

Nun sind bereits 11 Jahre SelbstÀndigkeit vergangen, und ich freue mich auf das, was die Zukunft bringt.

Alles, was ich erlebt habe, hat mir geholfen, mich selbst besser kennenzulernen und auf meine Intuition zu hören. Ich sehe die Bedeutung der richtigen Menschen in meinem Umfeld und habe gelernt, was ich nicht will. Das Leben selbst ist ein Wunder, und ich schĂ€tze es, hier sein zu dĂŒrfen. Mein Ziel ist es, jeden Tag zu genießen und andere Menschen dazu zu ermutigen, ihr eigenes Ding zu machen und ihre Herzensprojekte anzugehen. Mit meinen Designs möchte ich Klarheit schaffen und Menschen dabei helfen, ihr Potenzial zu entfalten.

FĂŒr mich bedeutet das zukĂŒnftiges Leben, Lernen und Arbeiten, unterwegs zu sein. Ich möchte ĂŒber Grenzen hinausgehen und meine Energie nutzen, um Neues zu schaffen, sei es innerhalb Hamburgs, Deutschlands, Europas oder sogar weltweit. 

Auf meinen Reisen möchte ich Wegbegleiter treffen, die meinen Weg kreuzen, sei es fĂŒr kurze oder lange Zeit. Dabei möchte ich mir selbst treu bleiben, mich engagieren und als Sparringspartnerin und Mentorin zur VerfĂŒgung stehen. Mit all meinen Mitteln, Wegen und Strategien möchte ich dazu beitragen, dass du dein volles Potenzial entfalten kannst.


„Ich bin die mutige Macherin und Ja-Sagerin an deiner Seite. Es steckt alles in uns und du kannst das!“, eure Kreativkomplizin Anne đŸ€—


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